Chinareisen Beijing und Nordchina

Beijing oder „Peking“ ist eine beliebte Anlaufstelle für den Chinabesuch. Ich landete hier 2005 für zwei Tage, 2007 hatten wir dort die erste Gruppenreise, 2010 war Beijing Ausgangspunkt für die Erkundung von Pingyao und des Hengshan, Wutaishan und Mianshan, 2012 war der Ostkiez unsere Heimat und 2014 nutzten wir Beijing als Brennglas für das gesamte Bild:
Chinareise 2014 „Beijing CHINA – ESSENZ“   Termin: Fr 24.10.2014 bis Di 04.11.2014

Reiseprogramm als PDF, 3 Seiten

„China im Pfirsichkern“  Essay von Ilka Schneider
http://taiwan.dryas.de/

In einem berühmten Text aus dem 17. Jahrhundert beschreibt ein gewisser Wei Xueyi ein von einem Zeitgenossen geschnitztes Pfirsichkernboot. Seitenlang schreibt er über dieses etwa 2,5 cm kleine Artefakt. Die Form des Bootes, die auf den Fensterflügeln eingeschnitzten Sinnsprüche, seine Passagiere, ihre Kleidung, Mimik und Gestik. Zwei der drei Passagiere – einer davon der berühmte Dichter Su Dongpo- betrachten eine Bildrolle und sprechen darüber. Der dritte schaut entspannt in den Himmel und lässt eine Gebetskette durch seine Finger gleiten. Einer der beiden Bootsleute hält sich seinen schmerzenden Fuß, während der andere darauf wartet, dass das Teewasser kocht. Immer weiter zieht uns Wei Xueyi in das aus einem Pfirsichkern geschnitzte Boot und in vergangene Zeiten.

Unsere diesjährige Reise ist wie dieses Pfirsichkernboot. Scheinbar fahren wir nur nach Beijing, besuchen nur einen winzigen Teil dieses räumlich und zeitlich so unerhört ausgedehnten Landes. In Wirklichkeit betrachten wir ein Konzentrat, eine Miniatur, ein pars pro toto. Eine Fülle die durch den genauen Blick, die Tiefe erreicht wird und nicht durch die gefressenen Kilometer.
So ist der Kaiserpalast nicht nur die klassische Sehenswürdigkeit Chinas, sondern ein steingewordenes Zeugnis chinesischen Denkens. Hier wird Macht nicht nur symbolisiert, sondern durch Lage und Bauweise generiert.
Die große Mauer, die notwendigerweise am Meer beginnt, vermittelt das große Schwanken Chinas zwischen totaler Abschottung und Offenheit durch die Jahrhunderte.

Der staatsreligiöse Himmelstempel, der buddhistische Lama-Tempel, der daoistische Tempel der weißen Wolke und der Tempel zu Ehren des Konfuzius eröffnen Einblicke in das Panoptikum chinesischen Glaubens, Denkens und der Moral.
Die Ausflüge in Landschaften, die an berühmte Szenerien in weit entfernten Teilen Chinas erinnern, machen die chinesische Sehnsucht fühlbar. Und so wie diese Landschaften natürliche Zitate anderer Landschaften sind, werden sie hundertfach verfeinert und kultiviert wiederum in den Gärten zitiert.
Wir werden nicht die weiten Haine sehen, auf denen der Pfirsichbaum gewachsen ist, aber das Pfirsichkernboot Chinas, das werden wir sehen. Wie genau man es betrachten mag, darf jeder und jede selbst entscheiden.

Denn Zeit, Raum und Kultur sind so dicht verwoben, dass es immer noch mehr Ebenen zu entdecken gibt. Das mit grünem Stein eingelegte Spruchpaar auf den Fensterrahmen des Pfirsichkernbootes lautete zum Beispiel:
„Die Berge so hoch und der Mond so klein, das Wasser fällt und gibt den Felsen frei.
Der Wind frischt auf und bläst sanft heran, doch die Wellen erheben sich nicht.“
Diese Zeilen stammen aus einem Gedicht, das eben jener in das kleine Boot aus dem 17. Jahrhundert hinein geschnitzte Su Dongpo im 11. Jahrhundert schrieb, als er in einem Boot an der roten Klippe vorbei trieb, wo im Jahr 208 eine der berühmtesten Schlachten Chinas ausgetragen wurde.